SSB: Eine Sportstättengebühr ist eine Kriegserklärung an den Sport

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Eine Sportstättengebühr ist eine Kriegserklärung an den Sport
SSB: Die Diskussion darüber wird schnell die Atmosphäre vergiften

Der Stadtsportbund Bonn (SSB) hat seinen traditionellen Tag des Sports am Samstag auf dem Münsterplatz zum Anlass genommen, erneut entschieden gegen die von Stadtkämmerin Margarete Heidler ins Gespräch gebrachte Sportstättennutzungsgebühr zu protestieren. Heidler hatte am Donnerstag im Stadtrat bei der Einbringung des Doppelhaushalts für 2019/2020 ihre Absicht erklärt, ab 2021 eine Sportstättennutzungsgebühr zu Lasten der Vereine einzuführen. Am Ende will die Stadt damit jährlich 750.000 Euro erzielen.

„Eine größere Kriegserklärung als die Einführung einer Sportstättennutzungsgebühr kann es in Bonn für den organisierten Sport nicht geben“, sagte SSB-Vorsitzender Michael Scharf in seiner Rede zur Eröffnung der Veranstaltung. Mit ihm und dem gesamten Vorstand des SSB werde eine solche Einführung nicht zu machen sei. Dabei müsse sich die Stadtverwaltung klar sein, dass die Diskussion über eine solche Gebühr ganz schnell die Atmosphäre in der Stadt vergiften werde. „Der Vergleich mit der unverhältnismäßig hohen Förderung der Hochkultur in Bonn ist dann praktisch unvermeidbar.“

Gerade zuvor hatte Bürgermeisterin Gabriele Klingmüller noch die großen Verdienste des Sports in der Gesellschaft hervorgehoben. Sport stehe für Fairness, für den Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft, für Integration und Gesundheit, sagte die SPD-Politikerin. Das war

Natürlich eine Steilvorlage für den SSB-Vorsitzenden. „Wir erwarten, dass genau diese unbestrittenen Werte des Sports von Verwaltung und Politik nicht nur in Reden hervorgehoben werden, sondern dass auch entsprechend gehandelt wird. Und das verträgt sich sicherlich nicht mit einer Einführung von Gebühren für die Benutzung von Sporthallen und Sportplätzen“, so Scharf.

Immerhin scheint die SSB-Position bei den Parteien auf positive Resonanz zu stoßen. Sowohl der Sportausschussvorsitzende Christos Katzidis (CDU) als der sportpolitische Sprecher der FDP, Florian Bräuer, erklärten bereits, dass mit ihnen eine Sportstättennutzungsgebühr nicht umsetzbar sei.

Der Tag des Sports selbst zog bei strahlendem Sonnenschein Tausende Bürger an die Stände des Vereine, die speziell für ihren und natürlich den Sport allgemein warben. So konnten sie sich beim Basketball und Baseball versuchen, beim Judo und Taekwondo mitmachen oder Hockey und Schach spielen. Oder sie konnten den Vorführungen auf der Bühne zuschauen und bei Gymnastik- und Fitnessübungen mitmachen. „Es war eine tolle Veranstaltung, die die Vielfalt des Sports in Bonn spiegelt“, sagte SSB-Geschäftsführer Bernd Seibert.

Festspielhaus des Bonner Sports

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Der Münsterplatz wird zum „Festspielhaus des Bonner Sports“
Oberbürgermeister: Der Sport wird in Bonn nicht hinkömmlich gefördert

Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch hat am Samstag beim Tag des Bonner Sports auf dem Münsterplatz seine Zusage erneuert, den Sport zu unterstützen und finanziell besser stellen zu wollen. Er wisse, dass der Sport in Bonn nicht hinkömmlich gefördert werde. Er hoffe, dies ändern zu können. Dabei erwarte er weiterhin konstruktive Verhandlungen mit dem Stadtsportbund (SSB), sagte Nimptsch, als er zusammen mit dem SSB-Vorsitzenden Michael Scharf die Veranstaltung eröffnete.
Scharf, der den Münsterplatz als „Festspielhaus des Bonner Sports unter den Blicken Beethovens – und das alles durch die Arbeit unzähliger Ehrenämtler“ bezeichnete, stellte die vier Hauptforderungen des Stadtsportbundes an die Bonner Verwaltung und Politik heraus.

So erwartet der SSB, dass die neuen Sportförderrichtlinien zügig verabschiedet werden, so dass sie zum 1. Januar 2014 in Kraft treten können und den Vereinen zumindest begrenzte Planungssicherheit geben. Im Hinblick auf den Doppelhaushalt 2015/16 fordert der SSB eine Erhöhung des städtischen Zuschusses in den Sportförderrichtlinien auf mindestens 1,3 Millionen Euro.

Darüber hinaus erwartet der SSB, dass er Mitglied des Sportausschusses wird und damit den rund 280 Sportvereinen Bonns eine Stimme auch im politischen Geschehen geben kann.

Als dritten Punkt erwartet der SSB von der Stadt die Aufstellung eines Sportkatasters, in dem alle Sportstätten Bonns erfasst werden und der Sanierungsbedarf ermittelt wird. Dies wäre ein erster Schritt zu der vom Sportdezernenten Martin Schumacher zugesagten Aufstellung eines Sportentwicklungsplans, die zur Zeit aus finanziellen und personellen Gründen von der Stadt auf Eis gelegt wurde.

Schließlich möchte der SSB zusammen mit dem Oberbürgermeister, den Parteien, dem Olympiastützpunkt Rheinland sowie Vertretern der Wirtschaft und anderer gesellschaftlicher Gruppierungen die „Vision Sportstadt Bonn 2030“ entwickeln, durch die dem Sport in Bonn Impulse für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung gegeben werden sollen.

Bei der sechsstündigen Show des Bonner Sports ließen sich Tausende Bonner Bürger von den ausstellenden Vereinen informieren und unterhalten. Auf der Bühne gab es ein buntes Programm von Tanzvorführungen, Capoeira, Akrobatik, Taekwondo oder Rope Skipping. Aber auch der ASV Bonn mit seinen Rollstuhlbasketballern und die Fechter des OFC Bonn, deren Florettspezialist Marius Braun am Donnerstag bei den Europameisterschaften in Zagreb mit dem deutschen Team gerade Europameister geworden war, zeigten Übungen aus dem Training. Daneben konnte man bei zahlreichen Vereinen sein Talent testen; die Stände beim Baseball, Hockey, Segeln, Fußball, Badminton oder Schach waren stundenlang dicht umlagert.

Und es wurde diskutiert, oft auch über das Verhältnis des Bonner Sports zur Kultur. Überwiegend gab es Zustimmung zur Forderung des SSB, die ehrenamtliche Arbeit in den Sportvereinen durch eine gerechtere Verteilung der öffentlichen Fördergelder anzuerkennen. Besonders in der Kritik: Bonns neuer Generalintendant Bernhard Helmich, der der Bonner Oper und dem Schauspiel mit Hilfe eines neuen Logos ein moderneres Image verpassen wollte und dazu mal eben 100 000 Euro ausgab. „Der Stadtsportbund wird auf solche Geldverschwendungen aufmerksam machen. Vielleicht brauchen Bonns Politiker ja auch manchmal ein wenig Druck und Unterstützung von außen, um sich künftig solchen Plänen zu widersetzen“, sagte dazu SSB-Vize Rainer Wolff.

(Michael Nickels,  Stadtsportbund Bonn, Öffentlichkeitsarbeit)

Weitere Informationen gibt es auf den SSB-Seiten