Reaktionen auf den Offenen Brief

Der vor zwei Tagen veröffentlichte Offene Brief zur Debatte um Kultur- und Sportförderung sorgt für breites Echo.

PSB versucht an dieser Stelle Meinungen und Reaktionen zu bündeln.

Für die heute eingegangenen Antworten von Elisabeth Einecke-Klövekorn und Gunter Duvenbeck haben wir kurzfristig die Erlaubnis zur Veröffentlichung erhalten. Alle anderen bereits öffentlichen Reaktionen werden hier per Link bereitgehalten.

Die Antwort von Herrn Duvenbeck findet sich hier: Antwort Herr Duvenbeck

Die Antwort von Frau Einecke-Klövekorn findet sich hier: Antwort Frau Einecke-Klövekorn

Hier der Artikel im Generalanzeiger Bonn: Artikel GA

Eine Antwort von Lothar Kittstein, Autor und Dramatiker, wurde auf der facebook-Seite http://www.facebook.com/jetzt.ist.schluss veröffentlicht.

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und Kultur- und Sportdezernent Martin Schumacher rufen in einer Pressemitteilung zur Sachlichkeit auf: Für Bonn sind Kultur UND Sport wichtig

Update 14.12.2012:

  • Keine direkte Antwort auf den Offenen Brief, aber auch in diesem Artikel über den „Liberalen Talk im Atelier“ wird das Thema aufgegriffen: Warum Bonn eine Oper braucht
  • Artikel zur Ratssitzung vom 13.12.2012, in dem die Debatte erwähnt wird: Eklat um Jürgen Nimptschs Opern-Solo
    • O-Töne aus dem Generalanzeiger Bonn:
      • Bernhard Wimmer (BBB): „Wir bedauern die Verschärfung der Auseinandersetzung zwischen Kultur und Sport. Kultur ist ein wichtiger Standortfaktor. Aber sie ist nur ein Teil des städtischen Lebens und damit keine heilige Kuh wie in Indien. Wenn der Stadt Geld fehlt, muss auch die Kultur zur Konsolidierung des Haushalts beitragen.“
      • Klaus-Peter Gilles (CDU): „Es dient der Sache nicht, wenn sich Kultur und Sport jetzt auf ein solch unwürdiges Diskussionsniveau begeben. Es ist nicht hilfreich und nicht konstruktiv. Wir sind als Politik nach besten Kräften bemüht, Lösungen für alle Bereiche zu finden und da sollten alle, auch Sport und Kultur an einem Strang ziehen.“
      • Werner Hümmrich (FDP): „Leider wird der Ton zwischen Kultur und Sport rauer. Am langen Ende entscheiden die Politiker über die Mittelverteilung. Von daher kann ich nur an beide Gruppen appellieren, sich nicht gegenseitig zu beschimpfen. Viel sinnvoller ist, das Gespräch mit den Entscheidungsträgern zu suchen.“
      • Doro Paß-Weingartz (Grüne): „Bonn braucht Sport und Kultur. Wir glauben, dass wir eine vernünftige Balance ansteuern. Diejenigen, die an der Sache orientiert eine lebendige Diskussion führen, werden bei den Grünen immer ein offenes Ohr finden.“
      • Bärbel Richter (SPD): „Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich es für falsch halte, zwei Sparten gegeneinander auszuspielen, und natürlich ist es nicht möglich, die Oper oder das Kunstmuseum einfach zu schließen. Selbst wenn, würde dies nicht zu unmittelbaren Einsparungen führen.“

Update 16.12.2012:

Update 19.12.2012:

  • In einem offenen Brief an PSB wendet sich Ferdinand Kösters, Vorsitzender der Opernfreunde Bonn, zu Wort. (Download [wpfilebase tag=file id=93 tpl=filebrowser/])
  • Der Landessportbund Nordrhein-Westfalen wendet sich durch Präsident Walter Schneeloch und Vorstandsvorsitzenden Dr. Christoph Niessen in einem Brief an den Köln-Bonner Musikkalender (in Kopie: SSB Bonn, PSB, Theatergemeinde Bonn, Generalanzeiger Bonn, OB Jürgen Nimptsch, Frau Ministerin Schäfer, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, Donwload [wpfilebase tag=file id=94 tpl=filebrowser /]).

Update 20.12.2012:

  • Artikel im Generalanzeiger behandelt die Briefe von Ferdinand Kösters und Landessportbund, mit O-Tönen von Kay Milner: „Die berühmte dritte Halbzeit“
    es fand keine Mitgliederversammlung statt, sondern nur eine Beratung im „Vorstand“

Update 09.01.2012:

Weitere Reaktionen nehmen wir gern nach Zugang hier auf. Wir weisen darauf hin, dass die Kommentarfunktion moderiert ist.

Offener Brief: Antwort Elisabeth Einecke-Klövekorn

Dass das Magazin „kultur“ der Theatergemeinde Bonn so aufmerksam gelesen wird, freut uns natürlich. Selbstverständlich sind viele Mitglieder von Sportvereinen auch Mitglieder der Theatergemeinde Bonn und erhalten unser Magazin deshalb regelmäßig. Darin wird stets nicht nur über Produktionen des städtischen Theaters, sondern ebenso über die der freien und privaten Einrichtungen berichtet. Die Theatergemeinde unterstützt bekanntlich die ‚freie‘ Kultur nachhaltig. Eine Opposition zwischen dieser und der ‚Hochkultur‘ besteht nicht. Tatsächlich ergänzen sich beide und tragen viel zur Lebensqualität in unserer Stadt bei. Seit mehr als 60 Jahren setzt sich die Theatergemeinde Bonn für die Breitenkultur ein, die allerdings ohne ‚Spitzenkultur‘ nicht möglich ist. In dem von der PSB zitierten Editorial in „kultur“ Nr. 91 habe ich auf den Wert des ehrenamtlichen Engagements hingewiesen. Allein für die Theatergemeinde Bonn mit ihren ca. 9.000 Mitgliedern sind über 150 Menschen als Gruppenleiter, Theaterpaten für Kinder, Schultheater-Jury etc. tätig. Ich habe wörtlich geschrieben, dass die in der Kultur ehrenamtlich Tätigen „nicht weniger leisten als die ehrenamtlichen Betreuer und Trainer von Sportgruppen, deren
Engagement sich überwiegend nicht in Geld bemisst, sondern in sozialem Mehrwert. Eigentlich müssten sie sich zusammentun und gemeinsam für bessere Bedingungen ihrer Arbeit eintreten“. Diese deutliche Wertschätzung der Leistungen der Sportvereine verschweigt Ihr „Offener Brief“.

Mit „beeindruckenden Zahlen“ zu argumentieren, hilft tatsächlich weder den Sportfreunden, noch den Opern- und Theaterfreunden, wobei es einen von Ihnen suggerierten und bei der Demonstration am 3.11. mit Plakaten wie „Mama, ich will nicht in die Oper“ manifestierten Gegensatz im Grunde nicht gibt. Alle von welcher Seite auch immer ins Feld geführten Zahlen behaupten Objektivität, vergleichen jedoch Unvergleichbares. Ich will hier nicht weiter ausführen, dass ein städtischer Eigenbetrieb mit tariflich bezahltem Personal wie das Theater Bonn, das in den letzten Jahren mehr eingespart hat als jedes andere Theater in Deutschland, nicht vergleichbar ist mit einem
Verein. Der im General-Anzeiger korrekt zitierte Satz „Das Problem – und dieses vehement zur Diskussion gestellt zu haben, ist ein Verdienst der Sport- und Banalunterhaltungsfreunde – ist der neoliberale Flachsinn(…)“ ist nicht nur aus dem Kontext gerissen. Er ist eindeutig kein Angriff auf die PSB, sondern eher ein Lob. Sie haben nämlich jenseits aller Zahlenspiele eine Debatte angestoßen, die auf
gesellschaftliche Werte zielt. Das ist richtig und gut: Denn alle Gruppierungen müssen sich der Frage stellen, welchen Wert ihnen eine sich verändernde Gesellschaft beimisst und wie deren Ressourcen verteilt werden. Darüber sollte man gern leidenschaftlich
diskutieren, aber möglichst nicht feindschaftlich. Ich bin ohne jeden Zweifel davon überzeugt, dass die PSB nicht in einer schwarzbraunen Ecke agiert, sondern eine Streitkultur pflegt, die zur Weiterentwicklung unseres demokratischen Gemeinwesens viel beiträgt.

Mit freundlichen Grüßen,
Elisabeth Einecke-Klövekorn

Offener Brief: Antwort Gunter Duvenbeck

Man unterscheidet ja bei allen Auseinandersetzungen zwischen Verursachern eines Streits und den daraus resultierenden Folgen. Im vorliegenden Falle war es eindeutig die PSB, die sich aggressiv gegen die Kultur und die sie tragenden Mitbürger in Position gebracht hat, und mein Artikel wie auch andere Äußerungen aus der Kulturszene (z.B. von Frau Einecke-Klövekorn) stellen eine Reaktion auf die von der PSB in schriftlicher und mündlicher Form getätigten Äußerungen gegen die Kultur und die Kulturschaffenden in Bonn dar. „Actio gleich reactio“ (oder in kernigem Deutsch: Auf einen groben Klotz passt nur ein grober Keil) ist ein Grundsatz, der auch hier gilt: Die PSB braucht sich daher nicht zu wundern, und braucht erst recht keine „Krokodilstränen“ über die angeblich unfaire Weise zu vergießen, mit der sie jetzt von Leuten angegriffen wird, denen der „Standort Bonn“ keine leere Floskel bedeutet, sondern die sich ernsthaft Sorgen um die Zukunft dieser Stadt machen müssen, wenn die Diskussion weiter so unsachlich geführt wird, wie es die PSB getan hat. Ich gebe Ihnen hier einen Leserbrief von Herrn Kösters zur Kenntnis, den er auf den Schülerartikel am 2. 11. im GA hin geschrieben hat (und der natürlich nicht veröffentlicht wurde) und auf dessen Inhalt ich mich z. T. in meinem beanstandeten Artikel bezogen habe. Dieser Brief hat folgenden Wortlaut:

 „Mit Verwunderung habe ich den Artikel der Klasse 8d der Gesamtschule Beuel „Sport ist Opfer der Kultur“ in der Ausgabe vom 1./2. November 2012 gelesen. Die Initiative „Pro Sportstadt Bonn“, die weiterhin einen fairen Dialog mit den Vertretern der Kultur verweigert, ist sich offenbar nicht zu schade, nun auch schon Schüler zum kulturellen Klassenkampf zu missbrauchen. Eltern von jugendlichen Vereinsmitgliedern haben sich schon beklagt, dass ihre Kinder mit entsprechenden Schmähschriften gegen die Kultur förmlich bombardiert werden. Sollen unsere Jugendlichen demnächst in einer kulturellen Wüste den gedopten Idolen des Spitzensports nacheifern? Die Kinder und Jugendlichen werden stets vorgeschickt, um davon abzulenken, dass für nicht gering bezahlte Seniorenspieler schon in der Kreisliga immer offenbar genügend Geld vorhanden ist. Hier sollen Sport und Kultur in unverantwortlicher Weise gegeneinander ausgespielt werden, und es ist bedauerlich, dass der General-Anzeiger dieser Kampagne so breiten Raum einräumt.“

Was die Zahlen über die Höhe der Sportförderung angeht, so hat ein Kollege aus dem Verein der Opernfreunde diese mit viel Umsicht aus dem Haushaltsplan der Stadt Bonn entnommen; diese Aufstellung liegt mir ebenfalls vor, und ich könnte sie auf Nachfrage der Autoren des offenen Briefes im Detail nennen. Sie sind für jeden, der rechnen kann, eindeutig nachvollziehbar.

Wenn de PSB sachliche Fehler in meinem Artikel anzumelden hätte, so kann sie dies in einer Mitteilung an die „Kalender“-Redaktion tun und um entsprechende Richtigstellung bitten, wie dies in solchen Fällen üblich ist. Irgendwelche Mängel konkreter Art werden im offenen Brief aber nicht genannt; es geht offenbar nur um den „Ton, der die Musik macht“, und ich gebe gern zu, dass ich ganz bewusst einige scharfe Formulierungen gewählt habe, dies aber als Reaktion auf die Art und Weise, in der die PSB sich in den vergangenen Wochen und Monaten verhalten hat. Wer in den Wald hinein ruft, muss eben mit dem Echo leben…

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Gunter Duvenbeck

Offener Brief zur Debatte um Kultur- und Sportförderung

In der Debatte um Kultur- und Sportförderung in Bonn versucht Pro Sportstadt Bonn, durch Präsentation und Vergleich der relevanten Haushaltszahlen und bildliche Vergleiche, Transparenz und Öffentlichkeit herzustellen. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt sollen und müssen sich selbst ein Bild von der Verteilung der freien Mittel im Stadthaushalt machen können.

Pro Sportstadt Bonn forderte dabei auch die Schieflage zwischen Sport- und Kulturförderung, welche mittlerweile bis auf ein Verhältnis von über 1:6 angewachsen ist, in einem ersten Schritt auf 2:5 zu ändern.

Zuletzt hatte Pro Sportstadt Bonn gemeinsam mit dem Stadtsportbund Bonn und vielen Vereinen und Bürgerinnen und Bürgern durch die Demonstration „Rettet den Bonner Sport“ auf die Situation des Bonner Sports aufmerksam gemacht. Gemeinsam demonstrierten wir für

  • Erhalt & Sanierung unsere Schwimmbäder & Sportstätten,
  • mehr Anerkennung & Wertschätzung für den Sport und
  • eine gerechte Verteilung der Gelder.

In den letzten Wochen haben nun die Stimmen aus dem Bereich der Kultur zugenommen, die versuchen, die berechtigten Interessen des Bonner Sports zu diskreditieren.

Um zu zeigen, dass der Bonner Sport nicht gewillt ist, auf derartigem Niveau zu diskutieren, hat Pro Sportstadt Bonn einen Offenen Brief an die Vertreter der Kultur gerichtet, indem die Problematik dargelegt wird „Offener Brief zur Debatte um Kultur- und Sportförderung“ weiterlesen