Der Bonner Sport und das Haushaltssicherungskonzept

PSB

Am 29.09.2014 gaben der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und sein Kämmerer Ludger Sander ihre Eckpunkte zum Haushalt 2015/2016 bekannt. Nach der gallopierenden Verschuldung der Stadt ist nun ein Haushaltssicherungskonzept notwendig.

Das Motto „Bonn wird stark bleiben“ ist aber wohl mehr Wunsch als Realität. Im Bereich Sport heißt es:

Aufgrund bereits durchgeführter Voruntersuchungen und der Vielzahl von Sportplätzen, die vereinzelt schon jetzt ungenutzt sind, kann allerdings bereits jetzt angenommen werden, dass bis 2019 insgesamt etwa zehn Sportplätze geschlossen werden können.

und

Um den für das Sportressort vorgesehenen Finanzrahmen einzuhalten, wollen wir das Ennertbad, das Melbbad, das Friesi und das Kurfürstenbad schließen.

Weiterhin soll eine Sportstättennutzungsgebühr eingeführt werden, zu der man sich so äußert:

Die geltende Vereinbarung zwischen Stadt und Stadtsportbund soll daher trotz der schwierigen Haushaltssituation eingehalten werden, so dass sich der Zuschuss an die Vereine ab 2015 von 1,0 auf 1,3 Millionen Euro erhöht. Die Erträge aus einer moderaten, neu eingeführten Sportstättennutzungsgebühr wollen wir zur Hälfte (375.000 Euro) ausschließlich zur Sanierung von Sporteinrichtungen verwenden.

Die Art und Weise grenzt schon fast an Irrsinn, zuerst den Vereinen eine Sportstättennutzungsgebühr abzuknöpfen, um sie danach als städtischen Zuschuss umettiketiert, wieder an die Vereine auszuschütten. Wat soll dä Quatsch?

Die Streichungen ziehen sich durch alle Bereiche der Stadt. Es gibt aber auch eine Liste der „wichtigen beibehaltenen Projekte“ – Was in Bonn erhalten bleibt.

Für den Sport bedeutet das aus städtischer Sicht es gäbe auch in Zukunft:

  1. eine ausreichende Anzahl an Außen- und Hallensportanlagen,
  2. finanzielle Unterstützung der Vereine durch die Stadt,
  3. ausreichend Wasserflächen für das Schul- und Vereinsschwimmen und im Sommer für das Freizeitvergnügen im Freibad.

Ist dem tatsächlich so, oder fühlen sich diese Einschnitte für die Bonnerin und den Bonner ganz anders an? Diskutieren Sie mit!

SSB: Die Stadt setzt die falschen Prioritäten

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Pressemitteilung des Stadtsportbundes Bonn vom 04.06.2014

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Die Stadt setzt falsche Prioritäten
SSB-Vorsitzender Michael Scharf: In Bonn sollte jedes Grundschulkind schwimmen lernen

Der Stadtsportbund Bonn sieht in der Tatsache, dass in diesem Sommer wegen Personalmangels nacheinander das Hardtbergbad und anschließend das Melbbad geschlossen werden sollen, ein grundsätzliches Problem bei der Stadt Bonn. „Wir haben gerade erlebt, dass es gerade im Schwimmbad schnell um Leben und Tod gehen kann. Warum wird dann gerade auf dem Bereich der Bäder das Personal so
knapp gehalten, dass gerade einmal der kleinstmögliche Sicherheitsstandard erreicht wird?“, fragt SSB-Vorsitzender Michael Scharf. „Seit Jahren ist der Verwaltung das Problem der fehlenden Fachkräfte bekannt.“

Für den SSB ist die jetzt aufgetretene Misere auch eine Frage der Prioritäten und Wertschätzung, die dem Sport an dieser Stelle in unserer Stadt nicht in ausreichendem Maße gewährt wird. „Es ist ja bekannt, dass der Kämmerer den Rotstift schneller bei Sparmaßnahmen in Schulen oder bei der Sanierung von Sportstätten zückt als etwa bei den Kulturausgaben“, sagt Scharf.

Scharf verweist als Beispiel auf das Beethovenorchester. Schon vor Jahren hatte der Rat aus haushaltspolitischen Gründen eine Abschmelzung von 106 auf 100 besetzte Musikerstellen beschlossen. Nach lauten Klagen von Generalmusikdirektor Stefan Blunier wurde die Reduzierung vom Rat für dessen Vertragslaufzeit bis 2016 ausgesetzt – in nichtöffentlicher Sitzung. „Verwaltung und Politik müssen endlich erkennen, dass für die Stadt in ihrer bunten Vielfalt die einseitige Ausrichtung auf die Hochkultur ein falscher Weg ist“, sagt Michael Scharf.

Unabhängig von dieser politischen Frage fordert der Stadtsportbund die Stadt auf, schnellstmöglich Konsequenzen aus den jüngsten Badeunfällen zu ziehen. „Für uns in Bonn muss der Anspruch gelten, dass jedes Bonner Kind im Grundschulalter schwimmen lernt. Wir brauchen ein flächendeckendes
Ausbildungssystem mit ausreichendem Schwimmunterricht in Schulen und Schwimmkursen in Vereinen“, sagt Michael Scharf. Mittlerweile geht man in Deutschland davon aus, dass fast jeder dritte Grundschüler nicht ausreichend schwimmen kann.

Der Stadtsportbund fordert die Stadt zudem auf, Ausbildungsplätze für Fachangestellte für Bäderwesen anzubieten, um langfristig Personalengpässe zu vermeiden. Der SSB wird bei seinen Vereinen dafür werben, diese Ausbildung anzutreten. Auch eine bessere und intensivere Zusammenarbeit der Stadt mit den
lokalen Schwimmvereinen, auf dem Hardtberg beispielsweise mit dem SC Hardtberg, zum Wohle des jeweiligen Standorts erscheint dem SSB sinnvoll und möglich.

Die Kunst zu Schwimmen

Kurfürstenbad geflickt

Durch die trotz aller Bemühungen der Bonner Stadtverwaltung drohende Schließung des Bad Godesberger Kurfürstenbades kommt das Thema Schwimmen immer mehr in der Stadtgesellschaft an.

Es geht nicht nur um das Erlernen des Schwimmens, sondern auch und gerade um die großen Möglichkeiten der Bewegung im Wasser als Therapieform.

Die Probleme, die der Schwimmunterricht an den Bonner Schulen hat, sind nur eine Seite der Medaille. Eingeschränkte Lehrzeiten und lange An-und Abfahrtswege lassen den schulischen Schwimmunterricht zu einer mißliebigen Veranstaltung verkommen. Die Kernkompetenzen können nicht mehr richtig vermittelt werden.

GA-Bonn vom 07.03.2014: Lehrzeiten reichen Schulen nicht

Sicherlich gehört es auch zur Aufgabe der Eltern, ihren Kindern das Schwimmen zu ermöglichen. Das führt dazu, dass in Bonn die angebotenen Schwimmkurse aus allen Nähten platzen und selbst im Sommer die Freibadschwimmkurse häufig ausgebucht sind.

Ebenso wurden in der Vergangenheit viele Lehr- und Schulschwimmbecken geschlossen. Diese Kapazitäten fehlen nun vor allem für Therapien, Seniorensport und das Schwimmen Lernen (Wassergewöhnung) für die Jüngsten.

GA-Bonn vom 07.03.2014: Immer mehr Therapiebecken schließen

Dieses nun völlig unzureichende Gesamt-Angebot an Kapazitäten und Möglichkeiten, insbesondere im Bereich Schulschwimmen, führt zwangsläufig zu steigenden Zahlen an Nichtschwimmern. Aber auch, und das ist fast noch schwerwiegender, zu motorischen Defiziten bei der nachwachsenden Generation.

GA-Bonn vom 07.03.2014: „Mit den Daumen kann man nicht schwimmen“- Interview mit Thomas Stockhorst, DLRG Bonn

Der Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger nach einem Spaßbad in Bonn trägt nur soweit, wie es die Stadtgesellschaft schafft, den nachwachsenden Generationen die Möglichkeiten zum Erlernen des Schwimmens zu geben. Denn sonst wird aus Spaß schnell bitterer Ernst.

Insofern kann man die Initiative der Bad Godesberger Vereine zur Betriebsübernahme des Kurfürstenbades nur begrüßen und unterstützen.

Pressemitteilung Stadtsportbund Bonn: Betreiberkonzept Kurfürstenbad

Profitieren wird man von den Erfahrungen der Schwimm- und Sportfreunde Bonn, die bereits seit vielen Jahren das Schwimmzentrum im Sportpark Nord betreiben und vom Engagement der in den Vereinen tätigen Ehrenämtler und Mitglieder.

Der GA-Redakteur Rüdiger Franz beklagt im Kommentar vom 06.03.2014 unter der Überschrift „Löblich, aber gefährlich“ (Hervorhebung PSB) die Situation:

Gewiss, die grundsätzliche Bereitschaft der Vereine, die Geschicke des Kurfürstenbades künftig selbst in die Hände zu nehmen, verdient Lob und Anerkennung und gibt Anlass zur Hoffnung.

[…]

Auf einem anderen Blatt steht indessen, inwieweit die Übertragung öffentlicher Aufgaben auf Vereine oder Privatleute der Weisheit letzter Schluss ist. Denn wie die Sportvereine schon richtig bemerken, sind dann konsequenterweise auch die Vertreter anderer Freizeit- und Lebensbereiche gefordert, ihr Scherflein zum bloßen Erhalt des Status Quo beizutragen. Das entspricht nicht dem Prinzip, Steuern zu zahlen und damit Anspruch auf eine öffentliche Infrastruktur zu haben.

Hierin liegt die Gefahr: Dass lobenswerte Privatinitiativen zum Feigenblatt für eine ungehemmte Fortsetzung verfehlter Haushaltspolitik werden.

Natürlich ist es ein Problem, wenn die Kommune ihre Infrastruktur aus verfehlter Finanzpolitik nicht mehr erhalten kann. Dennoch sollten Politik und Verwaltung alle Möglichkeiten ausschöpfen, solche Initiativen, wie die der Bad Godesberger Vereine, tatkräftig zu unterstützen.

Denn wer bereits mit dem Rücken zur Wand steht, kann nur noch nach vorn schauen.

SSB: Betreiberkonzept Kurfürstenbad

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Pressemitteilung des Stadtsportbundes Bonn vom 05.03.2014

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Vereine wollen Betreiberkonzept für das Kurfürstenbad entwickeln

Der Internationale Schwimmverein (ISV) Bad Godesberg, die DLRG Bezirk Bonn und der Godesberger TV (GTV) werden eine Interessensgemeinschaft Kurfürstenbad bilden. Ziel soll sein, gemeinsam ein Betreiberkonzept für ein Vereins- und Schulschwimmbad zu entwickeln und zeitnah umzusetzen. Der Stadtsportbund Bonn (SSB) und der
Stadtschwimmverband Bonn werden die Interessensgemeinschaft dabei tatkräftig unterstützen.
Das ist das Ergebnis einer Sitzung, zu der der Stadtsportbund die Schwimmsport treibenden Godesberger Vereine sowie mit dem GTV den mitgliederstärksten Godesberger Verein eingeladen hatte.

Die Vereine und der Stadtsportbund waren sich einig, dass ein solches Betreiberkonzept schnellstmöglich entwickelt werden muss. Sie sind überzeugt, dass ein solches Modell auch zu erheblichen Einsparungen im
städtischen Haushalt führen kann. Alle Vertreter sind davon überzeugt, dass die Bad Godesberger
Vereinsinitiative ein vorbildliches Beispiel dafür sein kann, wie sich Vereine in Bonn einbringen können, um die wichtigen Strukturen in der Stadt aufrecht zu erhalten. Denn unzweifelhaft hätte die Schließung des
Kurfürstenbades für die Godesberger Bürger, Vereine und Schulen gravierende Folgen.

Vereine und SSB fordern deswegen alle Bereiche und Organisationen der Stadt Bonn auf, ähnliche Modelle zu entwickeln und umzusetzen. In das angestrebte Betreiberkonzept Kurfürstenbad werden auch die
Erfahrungen einfließen, die die Schwimm- und Sportfreunde Bonn mit ihrem seit Jahrzehnten erfolgreich laufenden Betreibermodell Sportpark Nord gemacht haben. Die Federführung der Interessensgemeinschaft
Kurfürstenbad hat der ISV Bad Godesberg.

Die Erklärung der Vereine zum Kurfürstenbad im Wortlaut:

Das Kurfürstenbad ist als einziges Hallenbad für den Stadtteil Bad Godesberg ein wichtiger Standortfaktor. Eine Schließung dieses Bades hätte für den Schwimmsport der Vereine wie auch der Schulen gravierende Folgen. DieGodesberger Vereine/Organisationen ISV Bad Godesberg, Godesberger TV und die DLRG Bezirk Bonn werden unter Federführung des Internationalen Schwimmclubs Bad Godesberg eine Interessensgemeinschaft Kurfürstenbad bilden. Der Stadtsportbund Bonn und der Stadtschwimmverband Bonn werden die Interessensgemeinschaft unterstützen. Ziel ist es, gemeinsam ein Betreiberkonzept für ein Vereins- und Schulschwimmbad Kurfürstenbad/Bad Godesberg zu entwickeln und zeitnah umzusetzen. Dieses nachhaltige Betreiberkonzept für das Kurfürstenbad, das bereits kurzfristig erhebliche Einsparpotenziale im städtischenHaushalt liefern kann, soll schnellstmöglich entwickelt werden. Orientierung liefert hierbei das Betreibermodell Sportpark Nord der Schwimm- und Sportfreunde Bonn.

SSB: Bürgerbefragung zu Einsparungen in der Bonner Kultur

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Pressemitteilung des Stadtsportbundes Bonn Nr. 8 vom 19.7.2013

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SSB fordert Bürgerbefragung zu Einsparungen in der Bonner Kultur

Der Stadtsportbund Bonn (SSB) begrüßt ausdrücklich die Entscheidung des Bonner Stadtrates, das Kurfürstenbad in Bad Godesberg nicht zu schließen und gleichzeitig mit der Sanierung des Frankenbades zu beginnen. „Das ist eine gute Nachricht für die Bürger der Stadt Bonn und den Bonner Sport“, sagt der SSB-Vorsitzende Michael Scharf.

Gleichzeitig betont der SSB, dass er das Mittel der Bürgerbeteiligung grundsätzlich für geeignet hält mitzuhelfen, den Stillstand in der Bonner Kommunalpolitik zu überwinden. „Wir haben Respekt vor Entscheidungen der Bürgerinnen und Bürger. Allerdings enthielt der durchgeführte Bürgerbefragung zur Bädersituation unserer Meinung nach schwerwiegende Mängel, so dass sie als Grundlage für eine so weitreichende Entscheidung wie die Abkoppelung eines ganzen Stadtteils vom Schwimmsport untauglich war“, so Scharf.

Durch die geschlossene Fragestellung „Bestands- oder Veränderungsmodell“ war die Wahlmöglichkeit der Bürgerinnen und Bürger allein auf die Frage nach der Form eines Sonderopfers des Bonner Schwimmsports eingeengt. Dagegen wurde die Frage, ob die Bürgerinnen und Bürger Sparmaßnahmen im Bereich der Hallenbäder überhaupt befürworten, gar nicht erst gestellt. Dies wäre aber notwendig gewesen, um einen eindeutigen Bürgerwillen feststellen zu können.

Die willkürliche Beschränkung des Mittels der Bürgerbefragung allein auf die Hallenbäder macht deutlich, dass das Ziel der Befragung nur der Versuch der Rechtfertigung eines politisch vorher beschlossenen Sonderopfers des Bonner Sports war. „Einem solchen Versuch wird der Stadtsportbund auch in Zukunft mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln widersprechen“, sagt Michael Scharf.

Der Stadtsportbund fordert die Bonner Parteien allerdings auf, eine Bürgerbefragung zu Einsparungen beim Bonner Theater (Schauspiel und Oper) zu veranlassen. Ein entsprechender Vorschlag von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch, der kürzlich von der Ratsmehrheit sofort vehement abgelehnt wurde, könnte für die Parteien zu überraschenden Erkenntnissen führen. Schon bei der regelmäßigen infas-Bürgerbefragung wird das Bonner Angebot an Theater, Oper und Ballett regelmäßig als das unwichtigste (Platz 14) eingestuft, aber gleichzeitig als deutlich übererfüllt angesehen.