SSB: Über 750.000 Euro hat es nie eine Verständigung gegeben

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Über 750.000 Euro hat es nie eine Verständigung gegeben
SSB widerspricht dem Dezernenten: Es hat keine Gespräche gegeben

Der Stadtsportbund Bonn (SSB) fühlt sich vom Kultur- und Sportdezernenten Martin Schumacher über den Tisch gezogen. Zuerst gab es in der letzten Ratssitzung die Ankündigung von Kämmerin Margarete Heidler, eine Sportstättennutzungsgebühr in Höhe von jährlich 750.000 Euro einführen zu wollen. Nach heftigen Protesten des Sports und auch deutlicher Kritik aus der Politik ruderte die Verwaltung zurück. Schumacher sprach in einer Pressemitteilung von einem „begrifflichen Missverständnis“.

Gleichzeitig versucht die Verwaltung aber jetzt, die angesprochenen 750.000 Euro auf anderem Weg von den Sportvereinen zu holen. So sollen sich, laut Schumacher, die Bonner Vereine eben mit diesen 750.000 Euro an der Pflege und Unterhaltung der Sportanlagen beteiligen. Aus Gesprächen mit Mitgliedern des SSB-Vorstandes habe sich dieser Vorschlag entwickelt, lässt die Stadt verlauten.

Dazu stellt der SSB-Vorstand eindeutig fest: Gespräche diesen Inhalts hat es mit dem SSB nicht gegeben. Der Betrag von 750.000 Euro ist völlig abwegig. „Herr Schumacher sollte das richtig stellen“, sagt SSB-Vorsitzender Michael Scharf.

Im Haushaltssicherungskonzept aus dem Jahr 2015 ist festgelegt, dass sich die Sportvereine an der Unterhaltung der Sportanlagen beteiligen. Sie sollen durch Eigenleistungen im Haushalt 375.000 Euro einsparen. Michael Scharf: „Wir haben der Stadt immer angeboten, beim Sparen zu helfen – beispielsweise durch die Übernahme von Sportstätten. Es gibt genügend Vereine, die Interesse haben. Doch dazu bedarf es der Mithilfe der Stadt. Sie muss den Vereinen verlässliche Zahlen zur Verfügung stellen, welche Kosten anfallen. Alle unsere Versuche, für ausgewählte Sportstätten eine Kostenaufstellung durch das zuständige Städtische Gebäudemanagement zu erhalten, sind bisher aber gescheitert. Das Gebäudemanagement war bisher nicht in der Lage, anfallende Kosten zu beziffern.“

Der Stadtsportbund ärgert sich noch über einen anderen Punkt. Es ist eine Kleinigkeit, aber symptomatisch für das Denken in der Bonner Verwaltung. Laut Fortschreibung des Haushaltssicherungskonzeptes sollen Neuanschaffungen beim Schulsport um 15.000 Euro verringert werden. „Bei der Begehung der Bonner Sportstätten haben wir bei der Erstellung der Sportentwicklungsplanung gerade vor Augen geführt bekommen, wie veraltet die Sportgeräte in den Hallen sind. An deren Neuanschaffung zu sparen, ist geradezu grotesk“, sagt SSB-Geschäftsführer Bernd Seibert.

Das gelte vor allem dann, wenn man lese, dass der Generalintendant von Oper und Schauspiel mit seinem anwachsenden 30-Millionen-Etat für seine Ankündigung, mittelfristig drei Stellen und damit etwa 190.000 Euro einzusparen, im Kulturausschuss Lob erhalten habe. „Dabei hat Herr Helmich in derselben Sitzung gefordert, die beschlossene Kürzung seines Theaterzuschusses um 400.000 Euro zurückzunehmen weil er seine Marketingmaßnahmen ausweiten will. Ich glaube, deutlicher kann man gar nicht sehen, dass im Bonner Haushalt die Relationen nicht stimmen“, so Seibert.