SSB: Eine Entscheidung am Bonner Bürger vorbei

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Pressemitteilung vom 15. Juni 2016

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Eine Entscheidung am Bonner Bürger vorbei
Neuer Generalintendantenvertrag rechtlich wohl nicht zu stoppen

Der Stadtsportbund Bonn (SSB) ist angesichts der angekündigten vorzeitigen Vertragsverlängerung der Generalintendanten erschrocken über die Art und Weise, wie Verwaltung und die Mehrheit der Politik Entscheidungen am Bürgerwillen vorbei durchsetzen wollen. „Einen Vertrag über fast 150 Millionen Euro, der die im Haushaltssicherungskonzept befindliche Stadt bis 2023 bindet, abzunicken, ohne ihn auch nur in die anstehenden Haushaltsberatungen einzubringen, ist aus Sicht des Stadtsportbundes unverantwortlich“, sagt der SSB-Vorsitzende Michael Scharf. „Dies gilt umso mehr, als dass alle in dieser Stadt Verantwortlichen wissen, dass wahrscheinlich ein Großteil der Bonner Bürger ein derartiges Vorgehen ablehnt und für falsch hält.“

Für den SSB ist dies ein Schlag ins Gesicht für all die Bürger, die glauben, dass die städtischen Finanzen bereits jetzt und künftig erst recht in nicht mehr vertretbarem Umfang kulturlastig gebunden sind und dass deswegen andere Bevölkerungsgruppen in den kommenden Jahren zusätzlich belastet werden. „Die Bezirksregierung und die Gemeindeprüfungsanstalt haben die Stadt aufgefordert, die übermäßigen Kulturausgaben deutlich zu reduzieren, es läuft aktuell eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen die Stadt, und der SSB hatte ein Bürgerbegehren angekündigt, falls die sich jetzt abzeichnende Entwicklung eintritt. Und Verwaltung und Politik wissen, dass wir die dafür notwendigen Stimmen innerhalb kürzester Zeit zusammenbekommen hätten. Aber Stadt und Politik kümmern sich nicht drum und beschließen trotzdem ohne Beratung des kommenden Doppelhaushalts die vorzeitige Vertragsverlängerung – ohne den Bürger dabei die Gelegenheit zu geben mitsprechen“, so Scharf. „Und das angesichts der Tatsache, dass der Kämmerer selbst davon spricht, dass der Haushaltsplan bis zur möglichen Genehmigung durch die Bezirksregierung im Frühjahr 2017 nur `mit erheblichen Restriktionen` zu bewirtschaften ist.“

Was den SSB besonders enttäuscht: Die von den Parteien immer wieder in Sonntagsreden herausgestellte gewünschte Bürgerbeteiligung an wichtigen kommunalen Entscheidungen in Form etwa eines Bürgerbegehrens läuft in diesem Fall wohl ins Leere. „Die rechtliche Prüfung unseres angestrebten Bürgerbegehrens hat leider ergeben, dass die Stadt durch eine schnelle Vertragsunterschrift ein Bürgerbegehren unzulässig macht. Das Begehren entfaltet erst eine Sperrwirkung, wenn der Rat nach Prüfung der notwendigen Unterschriften seine Zulässigkeit festgestellt hat. Das würde wahrscheinlich mindestens vier Monate dauern. Mit der angestrebten schnellen Vertragsunterschrift hindert die Stadt nun ganz bewusst die Bonner Bürger, ihre Meinung zu dem Vertrag zu sagen und an der Gestaltung des künftigen Stadtlebens aktiv mitzuwirken“, sagt Scharf. „Als sich der SSB auf seiner Mitgliederversammlung das Mandat für ein mögliches Bürgerbegehren geben ließ, war dem Vorstand das rechtliche Problem leider nicht bekannt. Wir haben das erst vor wenigen Tagen erfahren.“

Der SSB hat noch versucht, die Regierungskoalition auf die Einhaltung des Koalitionsvertrages zu drängen, in der sie festschreibt, dass man den Weg der angestrebten strukturellen Haushaltskonsolidierung „gemeinsam mit den Menschen in unserer Stadt gehen“ wolle. Daher seien „die Mitwirkungspflichten der Bürgerinnen und Bürger für die Koalition ein besonders wichtiges Anliegen.“ Scharf: „Die Parteien der Koalition hatten es in der Hand, eine mögliche Vertragsunterschrift bis zum Abschluss unseres Bürgerbegehrens auszusetzen. Sie haben sich, so wie wir aus den Fraktionen hören, offenbar mehrheitlich dagegen entschieden. Der Koalitionsvertrag ist in Sachen Bürgerbeteiligung offenbar nicht das Papier wert, auf das es geschrieben ist!“

Wie schrieb die Regierungskoalition doch Ende April an den Stadtsportbund nach der Sitzung des Bäderbeirats, als man wieder einmal alle Entscheidungen in der Bäderdebatte vertagt hatte: „Stadtverordnete, die nur aufgrund ihrer Wünsche ohne jegliche Prüfung eine Entscheidung über einen zweistelligen Millionenbetrag treffen würden, der inhaltlich Auswirkungen auf Jahrzehnte hätte, würden sich nicht nur leichtfertig, sondern auch rechtlich angreifbar machen. (…) Ihr Verpflichtungseid gilt zum Wohle der gesamten Stadt und ihrer Bevölkerung.“ Scharf: „Der einzige Unterschied zur Entscheidung, jetzt vorschnell den Generalintendantenvertrag zu verlängern, besteht darin, dass es sich bei den Bädern um einen zweistelligen, beim Theatervertrag aber um einen dreistelligen Millionenvertrag handelt. Offenbar wird da wieder einmal mit zweierlei Maß gemessen.“

SSB: Sportentwicklungsplanung ohne Beteiligung des Stadtsportbundes?

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Pressemitteilung vom 8. Mai 2016

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Sportentwicklungsplanung ohne Beteiligung des Stadtsportbundes?
Stadt hat Ausschreibung verschickt, aber informiert den SSB nicht

Der Stadtsportbund Bonn (SSB) nimmt mit Freude zur Kenntnis, dass die Verwaltung jetzt offenbar die Durchführung der seit langem geforderten Sportentwicklungsplanung öffentlich ausgeschrieben hat. „Endlich kommt Bewegung in die Sache. Immerhin hat der Rat bereits 2013 die Verwaltung beauftragt, eine Sportentwicklungsplanung durchzuführen. Jetzt, drei Jahre später, können wir ja frohen Mutes sein, dass die Stadt bald allen Beteiligten auch ein aussagekräftiges Sportkataster zur Verfügung stellt, das bekanntlich die Grundlage für eine umfassende Sportentwicklungsplanung darstellt“, sagt SSB-Vorsitzender Michael Scharf.

Seit vielen Jahren hatte der SSB die Aufstellung eines Sportkatasters gefordert. In einem Sportkataster werden Daten und Fakten aller städtischen Sportstätten erfasst; es liefert damit auch Zahlen beispielsweise zu Renovierungsbedarf, Energieverbrauch und Ausnutzung. „Der Rat der Stadt Bonn hatte die Verwaltung 2013 einstimmig
beauftragt, im Jahr 2014 ein Kataster aufzustellen. Dann tat sich drei Jahre nichts,

aber immerhin scheint sich jetzt die Verwaltung sicher zu sein, über
diese Zahlen zu verfügen. Wenn diese Zahlen dann öffentlich werden, können sich unsere Vereine ja bald ein Bild darüber machen, ob sie wirtschaftlich in der Lage sind, in Eigenregie städtische Sportanlagen ganz oder teilweise zu übernehmen und damit der Stadt Geld zu sparen“, sagt Scharf.

Irritiert ist der SSB allerdings von der Tatsache, dass die Sportverwaltung die Ausschreibung erstellt und verschickt hat, ohne sie vorher dem SSB zumindest zur Kenntnis gegeben zu haben. „Sowohl mit dem Sportdezernenten Martin Schumacher als auch mit dem ehemaligen Sportamtsleiter Martin Herkt war genau das eigentlich besprochen. Schließlich haben SSB und Verwaltung im letzten Sommer gemeinsam vier Gespräche mit Instituten, die auf Sportentwicklungsplanungen spezialisiert sind, geführt. Das erste sogar ganz auf Initiative des SSB, weil die Stadt nichts unternommen hatte. Zu den weiteren drei Treffen hat dann Herr Schumacher offiziell seitens der Stadt eingeladen“, sagt der SSB-Vorsitzende und ärgert sich: „Natürlich ist eine Ausschreibung Sache der Verwaltung. Aber eigentlich war bei allen Gesprächen immer eine gemeinsam abgestimmte Vorgehensweise angedacht. Und vielleicht hätte der SSB bei der Erstellung der offiziellen Ausschreibung ja noch ein oder zwei wichtige Punkte zum Nutzen aller Beteiligten einbringen können.“

So ist jetzt passiert, was bei einer guten Zusammenarbeit von Sportverwaltung und Stadtsportbund eigentlich ausgeschlossen sein sollte. Ein möglicher Bewerber hat den SSB angeschrieben und nach den aktuellen Problemen der Bonner Sportvereine befragt, um sein Angebot besser planen zu können. „Immerhin haben wir als Stadtsportbund so erfahren, dass die Ausschreibung bei den möglichen Interessenten angekommen ist. Aber welche Anforderungen und Ziele die Ausschreibung benennt, ist uns bisher nicht bekannt. Wir haben von der Stadt nichts zugeschickt bekommen. Und wir haben die Ausschreibung bisher auch nicht auf der Homepage der Stadt und auch nicht in den Unterlagen zur Sportausschusssitzung finden können, die am 9. Juni, also morgen, stattfindet“, wundert sich Michael Scharf. „Dieser Fall zeigt erneut, dass in der Beziehung von Stadtverwaltung und Stadtsportbund noch viel Potenzial steckt – hoffentlich in positiver Hinsicht.“

SSB: Der Fall Kurfürstenbad – Ein Lehrbeispiel, wie es nicht sein soll

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Pressemitteilung vom 30. Mai 2016

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Der Fall Kurfürstenbad: Ein Lehrbeispiel, wie es nicht sein soll
Ehrenämtler werden durch derartiges Verhalten frustriert und brüskiert

Der Stadtsportbund Bonn (SSB) ist in höchstem Maße frustriert über das Verfahren, wie die Verwaltung der Stadt Bonn die geplante probeweise Übergabe des Kurfürstenbades an die SG Wachtberg/Godesberg (WaGo) hat platzen lassen. „Dieser Fall ist extrem enttäuschend für jeden Ehrenämtler. Er ist ein Lehrbeispiel dafür, wie das Verhältnis zwischen der Stadtverwaltung und den Bürgern nicht sein sollte“, sagt SSB-Vorsitzender Michael Scharf. „Es zeigt sich an diesem Fall genau das, was der Stadtsportbund an der Stadtverwaltung seit Jahren kritisiert: Es ist die fehlende Wertschätzung, die der Sport von der Verwaltung erfährt. Es ist der fehlende Respekt gegenüber der Arbeit der ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder, ohne deren Tun die Stadt aber um Vieles ärmer wäre.“

Seit der drohenden Schließung des Kurfürstenbades, also jetzt seit gut drei Jahren, arbeiten die Verantwortlichen der WaGo ehrenamtlich in vielen Hundert Arbeitsstunden daran, den Godesberger Bürgern ihr Schwimmbad ganzjährig zu sichern, das Schulschwimmen zu garantieren und eine gute Lösung für ihren Verein zu finden. Drei Jahre, in denen die Vorstandsmitglieder der WaGo alles daran setzten, die Wirtschaftlichkeit einer Badübernahme zu prüfen und Vertragsmodalitäten zu entwickeln, die es der Stadt ermöglicht hätten, dem Übernahmemodell zuzustimmen. „Und nachdem jetzt alles in trockenen Tüchern schien und sogar ein erster Vertrag zur probeweisen Badübernahme bis zu den Sommerferien unterschrieben ist, sagt die Stadt 30 Minuten vor der terminierten Übergabe den Termin ab, weil die Betriebssicherheit des Bades nicht gewährleistet sei. Warum wurde das vom SGB erst jetzt geprüft? So etwas darf einfach nicht passieren“, ärgert sich SSB-Vorsitzender Michael Scharf maßlos.

Höchst peinlich werde die ganze Angelegenheit dann noch dadurch, dass die Stadt anschließend feststellt, dass die Mängel bereits seit 2009 bekannt seien und der städtische Badebetrieb seitdem nur deshalb möglich gewesen sei, weil man das Bad durch erfahrenes städtisches Personal betrieben habe. „Wenn man diese Begründung liest, heißt das nichts anderes, als dass man seitens der Stadt gar nicht ernsthaft vorhatte, das Bad an die WaGo zu übergeben. Oder es zumindest den vereinseigenen Fachkräften nicht zutraut, das Bad zu betreiben. Dann hätte man sich die jahrelangen Verhandlungen mit dem immensen Zeitaufwand auch sparen können“, so Scharf.

Der SSB erwartet nun eine schnellstmögliche Bestandsaufnahme und das Aufzeigen von Lösungsmöglichkeiten. Schließlich ist das Kurfürstenbad nicht das einzige Bonner Bad, das derzeit wegen Baumängeln geschlossen ist. Zeitgleich mit der Sperrung des Godesberger Bades wurde dem SSB letzte Woche mitgeteilt, dass die Schwimmhalle der Joseph-von-Eichendorff-Schule für mindestens 14 Monate geschlossen werden musste. Grund sind erhebliche Mängel an der Lüftungsanlage, die eine Gesundheitsgefährdung der Nutzer nicht ausschließen.

„Auch in diesem Fall war es dasselbe unerfreuliche Verhalten der Verwaltung. Die Schließung wurde uns und den betroffenen Vereinen, die dort viele Kurse abhalten, lapidar mit wenigen Sätzen mitgeteilt. Nach dem Motto: „Nun kommt klar damit. Rückfragen unerwünscht!“, so Scharf. „Der SSB wünscht sich aber eine Verwaltung, die in einem solchen Fall auf die Vereine zugeht und mit ihnen gemeinsam aktiv nach Lösungsmöglichkeiten sucht. Lösungen gibt es meistens, man muss nur wollen. Schließlich sind im Augenblick die anderen Bonner Hallenbäder geschlossen. Hier könnte ein Ausgleich geschaffen werden“, sagt Scharf.

Unabhängig davon hofft der SSB, dass sich möglichst bald der Bäderbeirat zu seiner nächsten Sitzung treffen wird. „Angesichts des Problems beim Kurfürstenbad muss allen Verantwortlichen klar sein, dass die Bädersituation in Bonn möglichst schnell einer Lösung bedarf. Und dies schafft man nur, wenn jetzt alle gemeinsam an einem Strang ziehen und Entscheidungen treffen“, sagt der SSB-Vorsitzende.

SSB: Vorzeitiger Abschluss des Theatervertrags wäre grob fahrlässig

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Pressemitteilung vom 23. Mai 2016

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Vorzeitiger Abschluss des Theatervertrags wäre grob fahrlässig
Stadtsportbund: Stark genug, mehr als 10.000 Unterschriften zu holen

Mit großer Enttäuschung nimmt der Stadtsportbund Bonn (SSB) die bisher wenig substanzielle Kritik zur Kenntnis, die er nach der Mitgliederversammlung von Seiten der Verwaltung und Politik erfahren hat. Auf der Mitgliederversammlung hatten die Vereine dem SSB-Vorstand mit großer Mehrheit das Mandat erteilt, notfalls mit Hilfe eines Bürgerbegehrens die Verlängerung des Generalintendantenvertrages vor Verabschiedung des städtischen Doppelhaushaltes für 2017/18 zu verhindern. „Natürlich haben wir damit gerechnet, dass aus der Kultur und aus bestimmten Kreisen auch innerhalb der Parteien Kritik geäußert würde. Aber wir hätten uns schon gewünscht, dass Irgendjemand zumindest auch nur ein einziges Argument dafür gebracht hätte, warum für das Theater als einzige Gruppe der Stadtgesellschaft bestimmte Regeln nicht gelten sollen. Anders ausgedrückt: Warum der Theaterintendant das Vertragsvolumen in Höhe von rund 150 Millionen Euro vorzeitig vertraglich zugesichert bekommen soll, während alle anderen Bevölkerungsgruppen nur hoffen können, dass die Stadt nicht in den Nothaushalt kommt“, sagt SSB-Vorsitzender Michael Scharf. „Aber darüber will offenbar kein Verantwortlicher reden. Und noch einmal: Es geht uns nicht darum, grundsätzlich eine Vertragsverlängerung mit dem Generalintendanten zu verhindern, es geht uns um den Zeitpunkt. Der Vertrag darf erst unterschrieben werden, wenn der städtische Doppelhaushalt 2017/18 vom Rat beschlossen wurde.“

Dies gelte in verstärktem Maße nach der Nachricht, dass die Stadt voraussichtlich ihren Prozess gegen die Sparkasse in Sachen WCCB-Finanzierung verlieren werde und weitere

100 Millionen Euro zahlen müsse. „Die Bezirksregierung hat das Haushaltssicherungskonzept der Stadt im letzten Jahr unter strengen Auflagen gebilligt. Eingeplant war für den Doppelhaushalt 2015/16 ein städtisches Minus von rund 112 Millionen Euro. Seitdem in der vorletzten Woche endlich der Haushaltsabschluss von 2014 bekannt gegeben wurde, wissen wir, dass die Stadt Bonn Ende 2016 ein zusätzliches Minus von mindestens 272 Millionen Euro mit sich herumschleppen wird. Die Stadt wird also zwischen Anfang 2014 bis Ende 2016 noch einmal 160 Millionen Euro mehr Schulden gemacht haben als geplant, wobei die Flüchtlingskosten noch nicht einmal eingerechnet sind. Wer unter diesen Voraussetzungen ein Theaterpaket im Wert von 150 Millionen Euro schnürt, an dem die Stadt bis 2023 gebunden ist, handelt nach Ansicht des SSB grob fahrlässig“, so Scharf.

Aus diesem Grund wundert den SSB auch der Vorwurf von Oberbürgermeister Ashok Sridharan, der SSB handele „unsportlich“, wenn er die Sonderbehandlung des Theaters anprangere. „Der OB hat offenbar ein anderes Verständnis von Fairness als wir. Alle gesellschaftlichen Gruppen, die in Bonn auf freiwillige Leistungen der Stadt angewiesen sind, werden zur Kasse gebeten. Für andere werden die Steuern erhöht. Nur für das Theater gelten keine Sparmaßnahmen bzw. werden sogar noch die Zuschüsse erhöht, worauf der General-Anzeiger in seiner Wochenendausgabe hinwies“, sagt Scharf. „Wer also das thematisiert und sich Sorgen macht, handelt nach Ansicht des Oberbürgermeisters unsportlich. Der aber, der sich gegenüber den anderen gesellschaftlichen Gruppen, auch gegenüber Kindern, Jugendlichen, Alten und sozial Benachteiligten, unsolidarisch verhält, macht alles richtig. Diese Meinung des Oberbürgermeisters offenbart nach unserer Meinung ein seltsames Verständnis für das so oft geforderte Einstehen aller Bürger für das städtische Gemeinwohl.“

Zu den verbalen Ausfällen von Generalintendant Bernhard Helmich am Wochenende im Rahmen der Wohltätigkeits-Gala der Deutschen Aids-Stiftung in Richtung Stadtsportbund möchte sich der SSB nicht näher äußern. Helmich, so der heutige General-Anzeiger, hatte gesagt, als ihm die Initiatoren zur Bereitstellung der Oper samt Mitarbeitern für den guten Zweck dankten: „Damit können wir … auch zeigen, dass wir eben nicht die asozialen Schmarotzer sind, als die uns viele in der Stadt gerne hinstellen möchten.“ Scharf: „Wir würden so niemals reden. Wir halten seine Forderung nach vorzeitiger Vertragsverlängerung aber weiterhin für unsolidarisch gegenüber allen anderen Gruppen in der Stadt, niemals aber würden wir ihm asoziales Schmarotzertum vorwerfen.“

Und Scharf hat noch eine Botschaft. „Viele im städtischen Umfeld glauben offenbar nicht, dass wir entscheidend helfen können, die für ein Bürgerbegehren notwendigen rund 10.000 Unterschriften zusammenzubekommen. Ich kann allen versichern: Der Sport in Bonn hat sich gut organisiert und kann sich auf besondere Herausforderungen einstellen. Mit unseren 300 Vereinen und den 80.000 Mitgliedern im Rücken, vor allem aber mit einer Bonner Bevölkerung, die längst begriffen hat, dass es in Bonn so nicht weitergehen kann, ist man stark genug, die notwendigen Unterschriften zu sammeln.“

SSB: Notfalls auch ein kassierendes Bürgerbegehren

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Pressemitteilung vom 19. Mai 2016

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Notfalls auch ein kassierendes Bürgerbegehren
Vorstand erhält auf der Mitgliederversammlung großen Zuspruch

Der Vorstand des Stadtsportbundes Bonn (SSB) geht mit breiter Brust in eine neue dreijährige Amtszeit. Nicht nur, dass die Vorstandscrew um ihren Vorsitzenden Michael Scharf auf der Mitgliederversammlung im Maritim-Hotel überzeugend wiedergewählt wurde, auch in allen anderen Tagesordnungspunkten vertrauten die Delegierten den Vorschlägen des Vorstands. Auch bei dem mit Spannung erwarteten Vorstandsantrag, alle Maßnahmen ergreifen zu dürfen, den Abschluss des Generalintendantenvertrages vor der Verabschiedung des Doppelhaushaltes 2017/18 der Stadt Bonn zu verhindern: Mit überwältigender Mehrheit (eine Gegenstimme, 17 Enthaltungen bei einer Gesamtstimmenzahl von 139) ermächtigten sie den Vorstand, notfalls sogar ein kassierendes Bürgerbegehren aktiv zu unterstützen.

„Wir sind sehr froh und dankbar, dass die Vereine uns derart deutlich ihr Vertrauen ausgesprochen haben“, sagte Michael Scharf, der schon in seinem Jahresbericht darauf hinwies, dass es sich auch bei diesem Antrag nicht um einen Kampf des Sports gegen die Hochkultur handele. „Allerdings – und das wird aus interessierten Kreisen immer wieder als Konflikt interpretiert – ist der Sport anscheinend der einzige bürgerschaftliche Bereich, der immer wieder auf das große Risiko einer Kulturförderung hinweist, die noch aus Hauptstadtzeiten stammt und damals kräftig durch Zuschüsse des Bundes gefördert wurde, inzwischen jedoch zu 100 Prozent aus dem Bonner

Haushalt bezahlt werden muss.“ Selbst die Aufforderungen der Aufsichtsbehörden, die extrem hohen Kulturausgaben deutlich zurückzuführen, seien bei Verwaltung und Parteien ungehört verhallt. „Wenn die Stadt dann aber Richtung Nothaushalt taumelt, weil sie ihre Ausgaben nicht in den Griff bekommt, dann müssen später alle gesellschaftlichen Gruppen gemeinsam die Suppe auslöffeln. Dann darf es nicht sein, dass in der Stadt das Licht ausgeht, das Theater aber bei Festbeleuchtung in Saus und Braus lebt, weil die Stadt ohne Zwang und ohne Kenntnis der notwendigen Haushaltsdaten mit dem Generalintendanten einen neuen Fünf-Jahresvertrag abgeschlossen hat, der sie bis 2023 bindet und einen Umfang von rund 150 Millionen Euro hat“, so Scharf.

Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Kulturdezernent Martin Schumacher appellierten zwar an die Versammlung, der Sport möge sich doch bitte auf seine Angelegenheiten beschränken und die gesellschaftlichen Gruppen nicht auseinanderdividieren, doch die Delegierten ließen sich nicht beirren und stimmten der Aussage von SSB-Finanzchef Achim Dehnen zu: „Nicht der Sport entsolidarisiert sich, sondern die Gruppe, die in Notzeiten eine Extrawurst für sich herausschlagen möchte. Mit unserem Auftrag, mit allen Mitteln gegen eine Verlängerung des Intendantenvertrages vor Verabschiedung des Doppelhaushaltes anzugehen, bieten wir jetzt der Verwaltung und den Parteien die Möglichkeit, endlich mit den Sparbemühungen im Kulturhaushalt zu beginnen.“

Insgesamt ging die Mitgliederversammlung trotz eines Mammutprogramms überaus zügig über die Bühne. Die komplett neue Satzung wurde innerhalb weniger Minuten verabschiedet und auch zum Jahresabschluss 2015 und Finanzplan 2016 gab es nur wenige Nachfragen. Den Hannelore-Kendziora-Ehrenpreis verlieh Michael Scharf an die Nachwuchsturnerinnen Lena Bitter und Doreen Karst vom TGV Bonn, die trotz ihrer jungen Jahre bereits als Trainerinnen die Jüngsten im Verein betreuen und mit großer Begeisterung und bei großem Zeitaufwand dem Verein zur Verfügung stehen.

Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Michael Scharf (Vorsitzender), Kay Milner und Ute Heid (stellvertretende Vorsitzende), Achim Dehnen (Finanzen); erweiterter Vorstand: Elmar Heide-Schoenrock, Heiko Fleck, Martina Weiß-Bischof, Michael Nickels; Jürgen Schütt (Sportjugend).