Die Kunst zu Schwimmen

Durch die trotz aller Bemühungen der Bonner Stadtverwaltung drohende Schließung des Bad Godesberger Kurfürstenbades kommt das Thema Schwimmen immer mehr in der Stadtgesellschaft an.

Es geht nicht nur um das Erlernen des Schwimmens, sondern auch und gerade um die großen Möglichkeiten der Bewegung im Wasser als Therapieform.

Die Probleme, die der Schwimmunterricht an den Bonner Schulen hat, sind nur eine Seite der Medaille. Eingeschränkte Lehrzeiten und lange An-und Abfahrtswege lassen den schulischen Schwimmunterricht zu einer mißliebigen Veranstaltung verkommen. Die Kernkompetenzen können nicht mehr richtig vermittelt werden.

GA-Bonn vom 07.03.2014: Lehrzeiten reichen Schulen nicht

Sicherlich gehört es auch zur Aufgabe der Eltern, ihren Kindern das Schwimmen zu ermöglichen. Das führt dazu, dass in Bonn die angebotenen Schwimmkurse aus allen Nähten platzen und selbst im Sommer die Freibadschwimmkurse häufig ausgebucht sind.

Ebenso wurden in der Vergangenheit viele Lehr- und Schulschwimmbecken geschlossen. Diese Kapazitäten fehlen nun vor allem für Therapien, Seniorensport und das Schwimmen Lernen (Wassergewöhnung) für die Jüngsten.

GA-Bonn vom 07.03.2014: Immer mehr Therapiebecken schließen

Dieses nun völlig unzureichende Gesamt-Angebot an Kapazitäten und Möglichkeiten, insbesondere im Bereich Schulschwimmen, führt zwangsläufig zu steigenden Zahlen an Nichtschwimmern. Aber auch, und das ist fast noch schwerwiegender, zu motorischen Defiziten bei der nachwachsenden Generation.

GA-Bonn vom 07.03.2014: „Mit den Daumen kann man nicht schwimmen“- Interview mit Thomas Stockhorst, DLRG Bonn

Der Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger nach einem Spaßbad in Bonn trägt nur soweit, wie es die Stadtgesellschaft schafft, den nachwachsenden Generationen die Möglichkeiten zum Erlernen des Schwimmens zu geben. Denn sonst wird aus Spaß schnell bitterer Ernst.

Insofern kann man die Initiative der Bad Godesberger Vereine zur Betriebsübernahme des Kurfürstenbades nur begrüßen und unterstützen.

Pressemitteilung Stadtsportbund Bonn: Betreiberkonzept Kurfürstenbad

Profitieren wird man von den Erfahrungen der Schwimm- und Sportfreunde Bonn, die bereits seit vielen Jahren das Schwimmzentrum im Sportpark Nord betreiben und vom Engagement der in den Vereinen tätigen Ehrenämtler und Mitglieder.

Der GA-Redakteur Rüdiger Franz beklagt im Kommentar vom 06.03.2014 unter der Überschrift „Löblich, aber gefährlich“ (Hervorhebung PSB) die Situation:

Gewiss, die grundsätzliche Bereitschaft der Vereine, die Geschicke des Kurfürstenbades künftig selbst in die Hände zu nehmen, verdient Lob und Anerkennung und gibt Anlass zur Hoffnung.

[…]

Auf einem anderen Blatt steht indessen, inwieweit die Übertragung öffentlicher Aufgaben auf Vereine oder Privatleute der Weisheit letzter Schluss ist. Denn wie die Sportvereine schon richtig bemerken, sind dann konsequenterweise auch die Vertreter anderer Freizeit- und Lebensbereiche gefordert, ihr Scherflein zum bloßen Erhalt des Status Quo beizutragen. Das entspricht nicht dem Prinzip, Steuern zu zahlen und damit Anspruch auf eine öffentliche Infrastruktur zu haben.

Hierin liegt die Gefahr: Dass lobenswerte Privatinitiativen zum Feigenblatt für eine ungehemmte Fortsetzung verfehlter Haushaltspolitik werden.

Natürlich ist es ein Problem, wenn die Kommune ihre Infrastruktur aus verfehlter Finanzpolitik nicht mehr erhalten kann. Dennoch sollten Politik und Verwaltung alle Möglichkeiten ausschöpfen, solche Initiativen, wie die der Bad Godesberger Vereine, tatkräftig zu unterstützen.

Denn wer bereits mit dem Rücken zur Wand steht, kann nur noch nach vorn schauen.