Titanic 2.0: Bonn 2013/14 – Teil 3

Bäder > 50% Preissteigerung – Theater < 20% Preissteigerung – Gerechtigkeit sieht anders aus

Kurfürstenbad (c) Bundesstadt Bonn

Die Bonner Stadtverwaltung schlägt also im Bestandsmodell eine Erhöhung der Eintrittspreise der Bäder um über 50% vor. Von derzeit 4 Euro auf dann 6,10 Euro. Nimmt man die Freibadgäste aus den Erhöhungen aus, dann sollen sogar 5,40 Euro Mehrkosten auf die Bürgerinnen und Bürger zukommen, was einer Erhöhung um 135% gleichkäme.

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Die Position von PSB ist das Bestandsmodell, jedoch werden die vom AK Schwimmen vorgestellten Einsparmodelle (siehe Sitzung Stadt-Schwimm-Verband / AK Schwimmen und Icon of Protokoll Sitzung 18012013 Protokoll Sitzung 18012013 (89.0 KiB)) in der städtischen Kalkulation mit keiner Silbe erwähnt. PSB hatte deutlich gemacht, dass der Bestand unter Nutzung dieser Potentiale mit einem weitaus geringeren Bäder-Soli verbunden wäre. PSB-Sprecher Michael Scharf weist darauf hin, dass

„uns die Politik (außer) einer Bäderschließung keine Alternative lässt, um endlich die überfällige Bädermodernisierung durchzuführen.“

Im Diskussionspapier zur Bürgerbeteiligung des AK Sportpolitik (siehe 4. Sitzung AK Sportpolitik/Sportvereine und Icon of Entwurf Bürgerbeteiligung 19 01 13 Entwurf Bürgerbeteiligung 19 01 13 (50.4 KiB)) wird eine nach PSB-Meinung sinnvolle Bürgerbeteiligung skizziert. Laut Lutz Thieme, Leiter des AK Sportpolitik, liegt der jetzt vorliegende Vorschlag der Verwaltung innerhalb der von der Arbeitsgruppe skizzierten Ausgestaltungsvarianten.

Fazit

PSB und Stadtschwimmverband fällt die Akzeptanz einer Preiserhöhung für einen Bäder-Soli sehr schwer. Dies ist auch darin begründet, weil die seitens der Stadtverwaltung zeitgleich eingebrachte Vorlage zur Preiserhöhung bei Oper und Theater erneut die strukturelle Benachteiligung des Sports in Bonn offenbart. Ein Bäder-Soli in der von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen Höhe bewirkt nur eins, die Bäder werden weiter negativ in ihrer Attraktivität beeinflusst. Viele Familien werden sich die Eintrittspreise so gar nicht mehr leisten können, bzw. auf die besser ausgestatteten Bäder der Umgebung ausweichen. Eine Attraktivitätssteigerung jedenfalls lässt sich aus dem Verwaltungsvorschlag, auch im Veränderungsmodell, nicht herauslesen.

Es geht aber auch anders in Bonn

Zur selben Zeit kommt der Vorschlag der Stadtverwaltung für die neue Entgeltordnung des Theaters Bonn in den politischen Entscheidungsprozess. Vom OB Nimptsch bereits vollmundig angekündigt, befindet sich jetzt auch die Zahl 100 in den Preisen.

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700.000 Euro will man damit mehr einnehmen. Schaut man nun genauer hinter die Kulissen, entpuppt sich dieser Entwurf als gut gemachte Nebelkerze. Wie bereits von PSB vorgeschlagen wird der durchschnittliche Eintrittspreis um ca. 4 Euro erhöht. Also um nur rund 20% (siehe Titanic 2.0: Bonn 2013/14 – Teil 1). Leider wird das Geld nicht für die Bäder verwendet.

Vergleicht man die jeweils günstigste Kategorie bei der Oper, gibt es effektiv sogar Preissenkungen. Die Feigenblatt-Kategorien E und F werden sicherlich nur bei den wenigsten Vorstellungen im Jahr zur Anwendung kommen. Als besonders beachtenswert wird der Einheitspreis von 10 Euro in der Preisgruppe V angepriesen, „der es sozialverträglich erlaubt, das Angebot des Theaters zu nutzen, und zwar unabhängig von der Zuordnung einer Vorstellung zu einer Kategorie“.

In der Gesamtschau verbleibt eine geringfügige Preiserhöhung von 20%, die das Prädikat „angemessene Preiserhöhung“ eigentlich nicht verdient.

Warum?

Nun, in der neuen Entgeltordnung wird u.a. ein Frühbucherrabatt über 20% eingeräumt. Außerdem werden auch die Abo-Rabatte z.T. kräftig erhöht, z.B. von 45% auf 50% bei der Theatergemeinde Bonn, Fest-Abonnements von 30% auf 40%. Damit werden die geringfügigen Preisanhebungen direkt wieder kompensiert. Die Kategorisierung der einzelnen Vorstellungen obliegt natürlich der Theaterleitung, die diese Einteilung nach eigenem Gutdünken vornehmen kann.

Anhand zweier Beispiele wird verdeutlicht, dass in der neuen Entgeltordnung große Anstrengungen unternommen werden, um die Preiserhöhungen abzufedern.

Rechenbeispiel 1, Abo-Rabatte

  • Kartenpreis alt:    45 Euro, 45% Ermäßigung ergibt 24,75 Euro
    1. Kartenpreis neu:    55 Euro (22% Erhöhung),     45% Ermäßigung ergäbe 30,25 Euro, 50% Ermäßigung ergibt 27,75 Euro
      aus der 22% Preiserhöhung wird eine 11% Preiserhöhung
    2. Kartenpreis neu:  65 Euro (44% Erhöhung),     45% Ermäßigung ergäbe 35,75 Euro, 50% Ermäßigung ergibt 32,50 Euro
      die 44% Preiserhöhung wird auf  31% Preiserhöhung abgemildert

Rechenbeispiel 2, Frühbucherrabatt

  • Kartenpreis alt: 57 Euro
    1. Kartenpreis neu: 65 Euro (14% Erhöhung), Frühbucherrabatt 20%, ergibt 52,00 Euro,
      aus der Preiserhöhung wird eine Preissenkung (!)
    2. Kartenpreis neu:  85 Euro (50% Erhöhung), Frühbucherrabatt 20%, ergibt 68,00 Euro
      die 50% Preiserhöhung wird auf angenehme 20% abgemildert.

Zum Vergleich

Die Bonner Badegäste erhalten bei einer 10er Sammelkarte derzeit 20% und bei einer 50er (!) Sammelkarte derzeit 25% Rabatt. Nur Früh- und Spätschwimmer kommen bei der 50er Karte in den Genuss von 50% Rabatt. Die Bonner Badegäste können also von einem Rabatt-System, wie es sich das Bonner Theater leistet, nur träumen.

Damit nicht genug, erhalten Theater-Abonnenten eine pauschale Ermäßigung von 10% auf die übrigen Veranstaltungen.

Besonders pikant wird es, wenn man die Vergünstigungen im Bereich der Vorzugskarten des Theaters Bonn betrachtet.

Freikarten

  • Mitglieder des Kulturausschusses mit Begleitperson
  • Dirigenten und Solisten bis zu 2 Karten
  • sonstige Mitwirkende 1 Karte
  • Generalintendant zusätzlich zur Dienstkarte 4 weitere Freikarten
  • Chefdirigent zusätzlich zur Dienstkarte 2 weitere Freikarten

Steuerkarten

Als sogenannte Steuerkarten können z.B. für Mitarbeiter/-innen des Theaters Bonn und des Beethovenorchesters, ehemalige Mitarbeiter/-innen beider Einrichtungen, die durch Eintritt in den Ruhestand ausgeschieden sind, Mitarbeiter/-innen kultureller und kulturpolitischer Einrichtungen von Bonn und den anderen Bundesländern sowie am Theater Bonn auftretende Künstler/-innen nach Verfügbarkeit bis zu zwei Karten ausgegeben werden zu einem Festpreis von sage und schreibe nur 8 Euro (weniger als ein Fünftel der günstigsten Kategorie).

Fazit

Während der Bonner Badegast eine über 50%ige Erhöhung der Eintrittspreise schultern soll oder auf Bäder verzichten muss, bleibt die neue Entgeltordnung des Theaters Bonn ein zahnloser Tiger. Preisanhebungen werden über erhöhte, üppige Rabatte teilweise wieder kompensiert. Mit Frei- und Steuerkarten wird das kulturelle Klientel versorgt.

Bitte lesen Sie auch Titanic 2.0 Bonn 2013/14 Teil 1 und Titanic 2.0 Bonn 2013/14 Teil 2.

Bereits in diesen Artikeln haben wir auf das zweierlei Maß hingewiesen, mit dem hier in Bonn, was Sport und Kultur betrifft, gemessen wird. Was beim Theater Bonn mit aller Macht versucht wird, nämlich das Theater über Rabatte-, Frei- und Steuerkarten attraktiv zu machen, wird bei den Bädern ins Gegenteil verkehrt.

Statt die Schwimm-Vereine sowie die Fördervereine der Freibäder sprichwörtlich mit ins Boot zu holen und die dort bereits vorgeschlagenen Einsparpotentiale im Bäderbereich zu nutzen, wird die letzte Entscheidung gerade einmal 2500 Bonnerinnen und Bonnern in einem Telefoninterview aufgelastet.

Einschneidende Maßnahmen müssen wir sicherlich alle tragen, jedoch müssen dann auch alle Gesellschaftsbereiche u.a. auch die Hochkultur, gleichermaßen beteiligt werden.

Abschließend zwei kurze Bemerkungen

Die Aussagen von OB Jürgen Nimptsch, „eine Oper wäre nun einmal teurer als ein Rasenplatz“, entspricht dann nicht mehr ganz den Tatsachen. Denn ein Schwimmer müsste im schlimmsten Fall 9,40 Euro Eintritt berappen, für 60 Cent mehr käme er bereits in die Oper. Offenbar ist die Oper doch nicht ganz so teuer, oder man will den Bürger an der Nase herumführen.

Geradezu im Schlaraffenland fühlen müssen sich diejenigen Mitarbeiter kultureller und kulturpolitischer Einrichtungen von Bonn, die, wie weitere Begünstigte, ihre Opernkarte  zum Spezialpreis von 8 Euro erhalten. Das ist an Unverhältnismäßigkeit und Unverschämtheit kaum zu überbieten. Es ist schier Unglaublich.

Medienecho

12.03.2013

09.03.2013

08.03.2013

4 Antworten auf „Titanic 2.0: Bonn 2013/14 – Teil 3“

    1. Es ist schon sehr, sehr traurig, dass sowohl die Politik als auch die Verwaltung in Bonn nicht Wort halten. In der Hochkultur wird weiter Geld verballert, was beim Sport eingespart bzw. über die Erhöhung der Eintrittspreise für Schwimmbäder beim Bürger wieder erwirtschaftet wird. Eine Ungerechtigkeit ohnes Gleichen !!!

      Aber eins ist gewiss, die nächste Wahl kommt bestimmt und der Bonner Bürger wird eine solche Politik mit Sicherheit abstrafen. Ich für meinen Teil fühle mich von den verantwortlichen Personen aus Politik und Verwaltung auf ganzer Linie verarscht.
      Wie soll man der Politik eigentlich noch vertrauen können, wenn man nicht einmal die Zusagen und Versprechungen unseres Herrn Oberbürgermeisters und seinem Sport- und Kulturdezernenten eingehalten werden.
      Sorry, aber hierfür habe ich kein Verständnis und hierfür lasse ich auch, bei einem solchen Missverhältnis der Förderung von Sport und Hoch-Kultur, keine Ausreden zu.

      Man muss sich einfach einmal auf der Zunge zergehen lassen, da stellt sich ein Angestellter des städtischen Kunstmuseum, Herr Stephan Berg, beim Bonner Rathausgespräch im Dialog Sport – Kultur hin, und erzählt den anwesenden Zuhörern mit vollem Ernst, dass von seinem Etat i.H.v. rund 6.000.000 Euro, lediglich 330.000 Euro für die eigentliche Kunst und satte 4,5 Millionen für Personalkosten ausgegeben werden. Der Rest i.H.v. rund 1.200.000 Euro werden für Miete und Unterhaltung des Kunstmuseums ausgegeben. Unglaublich, aber leider wahr. Da stellt sich mir die Frage, was tun die ganzen Angestellten des Kunstmuseums den ganzen Tag und sind die Personalkosten in dieser Millionenhöhe gerechtfertigt. Der Sport kämpft um Tausende von Euro und bei der Hoch-Kultur geht es immer gleich um Millionenbeträge. Einziges Argument was die Vertreter der Hochkultur, der Sport- und Kultur-Dezernent sowie unser Herr Oberbürgermeister hiergegen anzuführen haben, die beiden Bereiche Sport und Hoch-Kultur kann man nicht miteinander vergleichen.

      Aus meiner Sicht eine sehr schwache Argumentation !!!

  1. Medienecho aktualisiert:
    Nach einem Bericht des GA Bonn stehen nun nach Willen der Schwarz-Grünen Ratsmehrheit alle Hallenbäder bei der Bürgebefragung zur Debatte.

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